Der Schützenverein Damme
Der heutige Dammer Schützenverein wurde zwar erst im Jahre 1838 gegründet – die Geschichte des Schützenwesens in Damme ist jedoch sehr viel älter. So findet man z.B. ein „Verzeichnis der in verschiedenen Ämtern vorhandenen Schützen“ aus dem Jahr 1630. In diesem Verzeichnis ist auch das Kirchspiel Damme mit einer Reihe von Namen vertreten. In einer ähnlichen Aufstellung aus dem Jahr 1632 sind 26 Namen aus Damme aufgeführt.
Auch die Sitte nach einem Vogel zu schießen ist sehr alt. Es findet sich in den alten Archiven ein Erlass des Bischofs Franz Wilhelm aus dem Jahre 1657 welches besagt: „ dass das Vogelschießen, welches in den unruhigen Zeiten des 30jährigen Krieges in Vergessenheit geraten war, offiziell wieder eingeführt wird.“ Es gilt eine allgemeine „Vogel-Schießen-Ordnung“ des Bischofs.
Bereits in dieser Zeit existiert in Damme eine Schützengesellschaft, welche ihr jährliches Fest in ähnlicher Weise zu der heutigen abhielt. So ist in einem Schreiben an den Großherzoglichen Vogt, Huesmann zu Damme aus dem Jahr 1822 die Rede von „einem althergebrachten Vogelschießen in den Bauernschaften.“ Derjenige, der den Vogel von der Stange geschossen hatte, war König. Er wählte seine Königin, welche jedoch nicht seine Frau oder Schwester sein durfte. Nur Junggesellen waren von dieser Regelung ausgenommen. Dieser Brauch überdauerte fast 170 Jahre und wurde erst im Jahre 1989 abgeschafft. Diese erste Dammer Schützen-gesellschaft existierte bis ins Jahr 1863.
1838 gründet sich die Schützengesellschaft der „Neugemeinde“, aus der der heutige Schützenverein hervorgegangen ist. Dem Verein stehen vier gleichberechtigte „Senioren“ vor.
Christoph Broermann, Caspar Börger, J. Heinrich Meyer und Kupferschmied C.R. Nordhoff.
Das erste Schützenfest wird am Sonntag nach Fronleichnam mit einem Scheibenschießen auf dem Schützenplatz in Holte gefeiert. Erster König wird Joseph Enking zur Königin wählt er Frau Dina Nordhoff.
Vor Beginn des Festzuges im Jahre 1842 wird dem Schützenverein ein Schellenbaum überreicht. Dieser war vom Kupferschmied C. R. Nordhoff angefertigt und durch Spenden finanziert worden. Dieser Schnellenbaum ist bis zum 2. Weltkrieg fester Bestandteil des Schützenzuges und kam in den Nachkriegsjahren abhanden. Er ist bis heute nicht auffindbar. Erst zum Jubiläumsschützenfest im Jahre 1988 bekommt der Schützenverein wieder einen neuen Schellenbaum.
1846 wird erstmals seit der Gründung auf einen an einer Stange angebrachten Adler geschossen. Dafür werden vom Schützenverein vier neue Gewehre angeschafft. Bis dahin wurde der König durch ein Scheibenschießen ermittelt. Den Vogel von der Stange geschossen hat der Kornhändler Meyer-Heitmann aus Hunteburg, stellvertretend für den Senior Kasper Börger. Die Möglichkeit, einen anderen Schützen für sich schießen zu lassen, war im Schützenreglement § 9 am 02. Mai 1846 festgelegt worden. Heute geht dies natürlich nicht mehr.
1859 Da der Schützenplatz in Holte in jedem Jahr zum Schützfest angemietet werden musste, entschließt sich der Vorstand zum Kauf des jetzigen Schützenplatzes für 180 Thaler. Zur Finanzierung des Kaufpreises werden Darlehnsbeträge von Dammer Bürgern gezeichnet.
Am 17. und 18 Juni 1860 wird das erste Schützenfest auf dem neuen Platz gefeiert. Ein Jahr später wird eine erste, massive Schützenhalle errichtet, später folgte eine Küche und ein Bierkeller. siehe Schützenplatz
1862 wird auf dem Schützenplatz der erste Schießstand angelegt. Außerdem wird von ersten Anpflanzungen von Rotbuchen berichtet. Diese stehen noch heute auf unserem Schützenplatz.
1864 ist ein wahrlich besonderes Jahr in der Vereinsgeschichte. In diesem Jahr ist Damme eine Republik. Der Adler ist so fest an der Stange befestigt, dass er trotz aller Bemühungen nicht herunter fällt.
1868 wird erstmalig der Kirchplatz als Sammelstelle genannt. Auch noch über 140 Jahre später treten die Dammer Schützen zum Ausmarsch im Schatten der
St. Viktor Pfarrkirche zum Ausmarsch an. (www.st-viktor-damme.de)
Zur Eröffnung des Festschießens 1877 gibt der Kommandant Martin Börger den Ehrenschuss für den Großherzog Nikolaus Friedrich Peter ab und schießt das Zepter herunter. Dies wird sogleich nach Oldenburg berichtet.
Als Dank läst der Großherzog dem Schützenverein eine silberne Kette als Ehrengeschenk überreichen. Noch heute wird diese „Großherzogskette“ vom Dammer Schützenkönig bei allen offiziellen Anlässen getragen.
1888 feiert der Schützenverein sein 50 jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass verfasst Dr. Franz Böcker ( Schützenkönig der Jahre 1889 und 1905) eine Festschrift. Diese ist noch heute im Besitz einiger Dammer Familien. zur Festschrift
Im Jahre 1913 wird von der ersten „Adlerbeschwörung“ berichtet. Laut dem Protokoll war der spätere König, Franz „Mucki“ Kleyböcker am Vortage nach beendetem Zapfenstreich mit einigen Schützenbrüdern zum Schützenplatz gegangen, um den Vogel gnädigst anzuflehen, er möge fallen, wenn er ihn träfe. Also geschah es. Erst viele Jahre später, mit der Neugründung 1961 wurde die Adlerbeschwörung fester Bestandteil der Dammer Schützenfestes und ist heute nicht mehr wegzudenken.
In den Jahren von 1915 bis 1918 finden wegen des 1. Weltkrieges keine Schützenfeste statt.
Im Jahre 1928 wird eine neue Schützenfahne angeschafft. Diese ist noch heute im Besitz des Schützenvereins.
In den folgenden Jahre hatten sich durch Werbung in den Bauernschaften selbstständige Kompanien gebildet, so in Osterdamme, Südfelde, Borringhausen, Rüschendorf, Reselage und Rottinghausen. Anfang der 30er Jahre marschierten über 450 Schützen mit aus, begleitet von 2 Musikkapellen. Später wird von bis zu 750 Schützen in 8 Kompanien berichtet.
Der bisherige Regimentskommandeur Bernard Leiber-Broermann tritt 1930
nach 38 Jahren von diesem Amt zurück. Sein Nachfolger wird Franz Rehling.
In den Jahr 1934 wird im großen Tanzzelt ein für die damalige Zeit sehr moderner Terrazzofußboden verlegt. Die Arbeit ist eine Spezialität italienischer Facharbeiter. Diese Arbeiten führen jedoch zur Verschuldung des Vereins, so dass 1935 zugunsten der Spar- und Darlehnskasse Damme eine Grundschuld in Höhe von 10.000 Reichsmark eingetragen werden muss. Da diese Schuldenlast offenbar nicht abgetragen werden kann, wird der Schützenplatz am 6. Februar 1937 Eigentum der Gemeinde Damme. Diese übernimmt die bestehenden Schulden und läst eine so genannte Grunddienstbarkeit zu Gunsten des Schützenvereins auf Abhaltung des Schützenfestes in „bisheriger Weise“ bestellen. Dieses Recht für den Schützenverein bis auf den heutigen Tag.
1938 werden alle Schützenvereine von der Nationalsozialisten verboten und angehalten, sich über den Schützenverband dem Reichsbund für Leibesübungen anzuschließen. Da man in Damme unbedingt das 100jährige Bestehen des Schützenvereins feiern will, schließt sich der Verein am 25. Mai 1938 auf betreiben der Gauführung ebenfalls dem Schützenverband an. Josef Stromann wird als Präsident berufen. Der spätere Bürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Damme behält dieses Amt auch nach dem Krieg noch viele Jahre und wird erst 1972 durch Fritz Enneking abgelöst.
Zwanzig frühere Könige nehmen die Parade auf dem Kirchplatz ab.
Von 1940 bis 1960 finden keine Schützenfeste wegen des 2. Weltkrieges statt. Während des Krieges werden auf dem Schützenplatz Vertriebene und Flüchtlinge untergebracht. Außerdem werden zwei Militärbaracken errichtet, die später ebenfalls der Flüchtlingsunterbringung dienten. Bis Ende der 50er Jahre waren Heimatvertriebene dort untergebracht. 1958 wurden die Baracken abgerissen.
Am 21. April 1961 wird der Schützenverein von 1838 wiedergegründet. Der Vorkriegspräsident Josef Stromann wird einstimmig in seinem Amt bestätigt. Als erster Kommandeur nach dem Krieg wird Paul Wöhrmann gewählt.
Am 23. und 24. Juli 1961 kann das erste Schützenfest nach dem 2. Weltkrieg gefeiert werden. 453 Schützen in 8 Kompanien waren 22 Jahre nach seinem Königsschuss mit dem Vorkriegskönig, Carl Koch, und unter großer Begeisterung und Anteilnahme der ganzen Gemeinde ausmarschiert. Erste König nach dem Krieg wird der Kaufmann Bernhard Grewe.
1963 wächst das Schützenregiment erstmals an, als die 1962 Neugegründete 9. Kompanie am Ausmarsch teilnimmt. Vier Jahre später, 1967, kommt die 10. Kompanie dazu.
1967 wird das jetzige Schießstandsgelände gekauft. Dieses wird unter Einräumung der Nutzungsrechte für den Verein und des Vorkaufsrecht auf die Gemeinde Damme übertragen.
1970 tritt die 4. Kompanie „Glückauf“ aus dem Schützenverein Damme aus, und gründet einen eigenen Schützenverein. Den freigewordenen Platz als 4. Kompanie übernimmt ab dem Jahr 1971 der Ortsteil Reselage, der bis dahin Teil der
3. Kompanie „Wild-West“ war.
Außerdem erweitert der Olkenbergsweg als 11. Kompanie ab dem Jahr 1972 das Regiment.
Kurze Zeit später folgt die Wienerei als 12. Kompanie.
Am 15.04.1972 löst der Rechtsanwalt Fritz Enneking nach 34 Jahren Josef Stromann als Präsident ab. Josef Stromann wird erster Ehrenpräsident des Schützenvereins.
Erster Kinderkönig wird Albert Rohe,
Kinderkönigin wird Beate Schmitz .
Am 18. Juni 1988 wird das Jubiläumsschützenfest 150 Jahre Schützenverein Damme mit einem großen Zapfenstreich auf dem Kirchplatz gefeiert. Erstmals seit dem 2. Weltkrieg hat der Schützenverein wieder einen Schellenbaum. Der neue Baum wird gestiftet vom Unternehmer Franz Grimme.
Kommandeur Paul Wöhrmann verstirbt nur wenige Wochen nach dem Jubiläumsschützenfest am 07. Juli 1988. Paul Wöhrmann war 27 Jahre Kommandeur des Dammer Schützenregiments. 1986 errang er außerdem die Köningswürde.
Als Autor der Festschrift zum 150 jährigem Jubiläum bleibt er vielen Dammer Schützen unvergessen.
Nachfolger wird Heinrich Packeiser.
1989 wird die Satzung geändert. Seitdem ist es dem König erlaubt, seine eigene Ehefrau zur Königin zu nehmen. Schon der König des Jahres 1989, Jörg Roloff macht davon Gebrauch. Königin wird seine Frau Rita.
Ehrenpräsident Josef Stromann verstirbt am 27. Juni 1989 im Alter von 84 Jahren.
1991 wird eine neue Fahne in Auftrag gegeben.
1993 erhält der Schützenverein zum - bis heute – letzten mal „Nachwuchs“. Im neu entstandenen Baugebiet „Wellenweg“ hatte sich bereits 1992 die 13. Kompanie gegründet und nimmt im darauf folgenden Jahr erstmals am Ausmarsch teil.
Im gleichen Jahr nimmt erstmals seit 22 Jahren wieder eine Abordnung der Schützenvereins am Ausmarsch in der Glückauf teil. Im Gegenzug „verstärkt“ seitdem eine große Abordnung aus der Glückauf den Ausmarsch in Damme.
Im April 1998endet nach 26 Jahren die Präsidentschaft von Fritz Enneking.
Sein Nachfolger wird Dieter Schmiesing. Fritz Enneking wird der zweite Ehrenpräsident des Vereins.
Kommandeur und General Heinrich Packeiser geht 1999 in den Ruhestand.
Seinen Säbel „vermacht“ er dem Regiment.
Heinrich Packeiser wird Ehrenmitglied des Schützenvereins.
Nach 10
an den langjährigen „Finanzminister“ und Kassenwart Rainer Scheper ab.
Im Frühjahr 2009 werden umfangreiche Pflasterarbeiten am Schützenplatz
vorgenommen. siehe Schützenplatz
Auf der Generalversammlung 2011 stellt sich der Vorstand neu und breiter auf.
Neuer Präsident wird der bisherige Vizepräsident Andreas Kampsen. Neuer Vizepräsident
ist Olaf Bernholt. Rainer Scheper ist 2. Stellvertreter. Kommandeur bleibt Stefan Kruthaup. Neu im Vorstand: Thilo Schwarz als Schriftführer und Thomas Schulte als Kassenwart.


